• Herbert Schmidt

Kraft- und Athletiktraining ohne dabei Überlastungsschäden zu provozieren!

Aktualisiert: 20. Juli 2019

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Ein differenziertes Kraft- und Athletiktraining, Betonung liegt auf differenziert, sollte für jeden Sportler die Basis sein für seine jeweilige Sportart bzw. um sein sportliches Ziel schnell und effektiv zu erreichen, aber ohne dabei Überlastungsschäden zu provozieren.


Klingt logisch und einfach, aber in den heutigen Zeiten der schier unerschöpflichen Angebotsvielfalt an Trainingsangeboten, an Trainingsmitteln und an Trainingsmethoden, selbst für Profis nicht einfach, sich für das individuell Effektivste aus den jeweiligen Bereichen herauszusuchen und differenziert anzuwenden. Für den Anfänger oder Laien, behaupte ich jetzt einfach mal, unmöglich!

Eine kurze nicht erschöpfende und nicht gewertete beispielhafte Aufzählung einiger Fitness-Trends:

- "bodyweight training"

- "freeletics"

- "crossfit"

- "barbrothers"

- "HIIT"

- "kettlebell-training"

- EMS

- "boot camp"

uvm.

Ich möchte und kann hier nicht auf jeden einzelnen Fitness-Trend im Detail eingehen, aber eines sei an dieser Stelle gesagt, einige dieser Fitness-Trends sind für sehr fortgeschrittene Sportler eine Möglichkeit mal etwas Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen. Für Anfänger oder weniger Fortgeschrittene hingegen, enden diese "Ausflüge" früher oder später sehr häufig in einem Überlastungsschaden oder noch schlimmer in einem Übertraining und häufig in Resignation.

Es kommt immer auf die individuelle Zielsetzung, die individuellen körperlichen Voraussetzungen und die individuelle "Lebenstrainingserfahrung" an, welches Training für einen am besten passt bzw. das effektivste und zielführendste ist, ohne dabei Überlastungsschäden zu provozieren. Die Überlastungsschäden kommen leider immer erst nach einigen Monaten oder sogar erst nach Jahren zum "Vorschein". Zu Beginn äußern sich diese meist in kleinen "Wehwehchen", die dann immer mit Physiotherapie und Trainingspause behandelt werden. Durch die häufigen Verletzungspausen (Zwangspausen) wird der Trainierende immer wieder zurückgeworfen und bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück oder noch schlimmer, überlastet sich so dermaßen, dass er das Training (Sport) generell beenden muss.

Bei einem differenziert ausgeführten und geplanten Kraft- und Athletiktraining sollte ja genau das vermieden werden. Es sollte die Leistungsfähigkeit individuell steigern, aber ohne dabei eine Überlastung hervorzurufen, ja sogar mehr noch, es sollte vor einer Überlastung schützen!

NICHT ERSCHÖPFEND AUFGEZÄHLT UNTEN ANGEFÜHRT EINIGE "KLASSIKER":

- Knieschmerzen nach intensivem Beintraining

- Schulterschmerzen "Impingement-Syndrom"

- Handgelenksschmerzen

- Ellbogenschmerzen

- Rückenschmerzen

Die Ursachen der oben angeführten Überlastungssymptome sind fast immer eine falsche Technik bei bestimmten Übungen und/oder zu wenig Regenerationszeiten für die jeweils belastete Muskulatur nach der Trainingseinheit bis zur nächsten Einheit und/oder der passiven Strukturen (Menisken, Bänder, Knorpel usw.). Weiteres kann als Ursache auch eine zu hohe Belastung generell genannt werden.

Speziell für Anfänger oder leicht Fortgeschrittene mit zu Beginn hoher Motivation, ist es sehr wichtig, dass eine progressive Steigerung der Belastungen stattfindet und zuerst die richtige Technik für die jeweiligen Übungen erlernt wird. Sehr viele der neuen Fitness-Trends setzen auf hohe Gruppendynamik, Motivation und auf kurze sehr harte Zirkelformen. Grundsätzlich spricht gegen diese Art des Trainingsregime nichts, wenn die Übungsauswahl differenziert (individuell verschieden) stattfindet und nicht ausschließlich "harte" intensive Einheiten durchgeführt werden.

Das "Problem" hierbei ist, dass die meisten ja diese Fitness-Trends beginnen um ihre Figur zu verbessern, was sie mit den harten Zirkeleinheiten zu Beginn auch relativ schnell erreichen, da sie von "NULL AUF HUNDERT" quasi durchstarten, sehr viel Kalorien verbrennen, die Ernährung bewusster gestalten und somit vorerst alles nach "Plan" läuft, sie verlieren Gewicht und sehen sich bestätigt in der Auswahl des Trainings.

Nach einer gewissen Zeit stellt sich dann häufig eine Stagnation der Leistungssteigerung ein, da der Körper ständig im Übertraining ist und die ersten "Wehwehchen" dann auch noch dazukommen, wie vorher schon in den "Klassikern" besprochen! Über kurz oder lang führen sehr viele Fitness-Trends im besten Fall in die Mittelmäßigkeit und im schlechtesten Fall zu einem mehr oder weniger großen Überlastungsschaden.

Verstehen Sie mich bitte jetzt nicht falsch, ich bin ein großer Befürworter für ein hartes differenziertes und progressives Krafttraining, aber das ist im Speziellen immer für jede Person individuell zu planen und zu gestalten. Und ein sehr intensives Krafttraining ist auch möglich ohne sich dabei zu überlasten, im Gegenteil, eigentlich sollte man sich nach jedem Training gut fühlen und nicht mit irgendwelchen Verletzungen sich rumplagen müssen! Und die Aussage "Das ist bei einem harten Training ganz normal, wo gehobelt wird, da fallen Späne!", entbehrt jeder Grundlage und kann auch von mir so nicht bestätigt werden.

Werden diese Fitness-Trends dann noch dazu als Saisonvorbereitung für eine bestimmte Sportart betrieben, dann wird es noch problematischer, da ja in den meisten Sportarten häufig viele ungünstige hohe Belastungen auftreten und diese ja bestmöglich durch ein intelligent gestaltetes Krafttraining in der Saisonvorbereitung "aufgefangen" bzw. "vertragen" werden sollen. Das heißt der aktive und passive Bewegungsapparat sollte die ungünstigen Belastungen in den jeweiligen Sportarten bestmöglich ableiten können, wird stattdessen aber in der Saisonvorbereitung der Körper schon überlastet führt es dann letztlich sehr häufig zu den besagten Überlastungsschäden.

Macht beispielsweise ein Ski-Rennläufer in der Saisonvorbereitung schwere Kniebeuge (welche Pflicht sind und zu empfehlen) mit der falschen Technik und in einem CrossFit-Zirkel oder schweres Kettlebell-Schwingen mit falscher Technik, dann schädigt er seine passiven Strukturen schon in der Saisonvorbereitung und er wird dann im Winter bei den Rennen, wo enorme Fliehkräfte wirken, seine Rechnung präsentiert bekommen, im schlimmsten Fall einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelsäulenbereich erleiden.

FAZIT:

- Fitness-Trends können neue interessante Trainingselemente enthalten, müssen aber differenziert angewendet werden

- Für Anfänger und leicht Fortgeschrittene sehr oft zu hohe Belastungen und insgesamt zu hohe Trainingsdichte

- Als Saisonvorbereitung sehr viel Erfahrung des Trainers nötig um die richtigen Elemente gezielt einzusetzen

- Es gibt auch viele Fitness-Trends, welche den Trainierenden unterfordern, auf diese bin ich aber hier nicht speziell eingegangen (Blog-Eintrag folgt), da diese zumindest nicht "schädlich" sind für den Körper sondern meistens nur für die Geldtasche