• Herbert Schmidt

Nie wieder "Tennisarm", aber wie?

Aktualisiert: Apr 13


Beinahe jeder Tennisspieler hatte irgendwann schon einmal einen "Tennisarm", aber nicht nur Tennisspieler können davon betroffen sein, sondern auch andere Personen.

Ich möchte in diesem Blogeintrag erläutern was im Detail eigentlich ein Tennisarm ist, welche Therapiemöglichkeiten gibt es, die Ursache wird oftmals nicht erkannt bzw. mit den Patienten nicht besprochen und der wichtigste Schritt der Verletzungsprophylaxe fehlt letztlich fast immer völlig?!



1. Was ist ein "Tennisarm" und was sind die Symptome ?

Ein "Tennisarm" wird im Fachjargon als laterale Epicondylitis radialis humeri (auch Epikondylopathie, Epikondylose oder Epikondyalgie) bezeichnet, wobei Epikondylus ein Knochenversprung ist der oftmals als Sehnenansatz dient, wie auch hier und zwar als Sehnenansatz für die Hand- und Fingerstrecker des Unterarmes. Die Epicondylitis lateralis humeri bezeichnet eine Insertionstendopathie der am Epicondylus lateralis humeri entspringenden Unterarmextensoren. Meist ist dabei die Insertionsstelle der Sehne des Musculus extensor carpi radialis brevis betroffen. Dies äußert sich in Schmerzen genau bei diesem Sehnenansatz an der Außenseite des Ellenbogens, wobei diese Stelle häufig auch sehr Druckempfindlich ist und auch Sensibilitätsstörungen auftreten können.

2. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es ?

Konservative Therapie: Initial sollten die entzündlichen Prozesse durch Schonung, kalte Umschläge,Kryotherapie und Salbenverbände eventuell auch durch Einnahme von retardierten NSAR beendet werden. Gleichzeitig sollte die Ursache abgestelltwerden. Kräftiger Faustschluss sowie das kontinuierliche Strecken der Mittelhand und des Zeige- sowie des Mittelfingers bei der Arbeit mit einer Maus am Computer sollten vermieden werden. Zusätzlich ist das konsequente exzentrische Training der Extensoren durchzuführen. Manuelle Therapie zur Detonisierung der Extensoren und umgebenden Faszien kann ebenfalls angezeigt sein. Akupunktur wird manchmal als ergänzende Therapie eingesetzt, hat aber keine klare Wirkrationale. Von lokalen Injektionen mit Glukokortikoiden ist eher abzuraten, da sie zwar vorübergehend schmerzlindernd wirken, die Patienten hiervon langfristig aber nicht profitieren. Operative Therapie: Bei Sehnenrupturen, therapierefraktärem oder chronischem Verlauf besteht die Indikation einer operativen Intervention, wobei in der Regel durch Inzision der Sehne (Tendotomie) eine dauerhafte schmerzlindernde Entlastung des Muskels erreicht werden kann. Mögliche operative Vefahren sind:

Operation nach Hohmann: Querinzision der Sehne Operation nach Goldie: Längsinzision der Sehne Operation nach Wilhelm: Denervation des betroffenen Areals, meist in Kombination mit einem der oben genannten Verfahren Physiotherapie: Zum Erlernen physiologischer Bewegungsabläufe und Korrektur von Fehlstellungen erweist sich insbesondere bei chronischen Krankheitsverläufen und Rezidiven eine physiotherapeutische Anleitung als sinnvoll. Die manuelle Therapie im Rahmen der Physiotherapie umfasst u.a.: Querfriktionen Funktionsmassage Flächige Aufdehnung der Unterarm-Extensoren

3.

Was sind die Ursachen der Entstehung eines "Tennisarmes" ?

Ursächlich ist die relative Überlastung der speichenseitigen Handstrecker. Die reaktive Verspannung führt zu einer mechanischen Überbeanspruchung mit Mikroläsionen am Ansatz dieser Muskeln am Epicondylus lateralis. Auch traumatische Ereignisse (Kontusionen) am Epicondylus direkt können diese Folge haben. Am Anfang steht die schmerzhafte Verspannung der genannten Extensoren, da die Streckung der Mittelhand gegenüber dem Unterarm eine Hilfsbewegung beim kräftigen Faustschluss darstellt. Die Ansatzmyopathie am Epicondylus ist erst die Spätfolge. Durch die hohe Beanspruchung der Extensorenmuskulatur bei ungünstiger Griffhaltung und Schlagtechnik im Tennissport hat sich die synonyme Bezeichnung des Tennisellenbogens etabliert. FAZIT: Zusammengefasst kann gefolgert werden, dass die Unterarmmuskulatur und deren passiven Strukturen, für die jeweilige wiederholte Belastung (egal ob im Sport oder Alltag) nicht stark genug sind bzw. nicht genügend vorbereitet!

4.

Was kann nun daraus gefolgert werden und wie kann die Verletzungsprophylaxe nur aussehen ?

Tennisspieler, speziell Anfänger und Hobbyspieler, sollten ca. 6-8 Wochen vor Beginn der Freiluftsaison (hohe Motivation und mehrere Trainings pro Woche) ein intensives aber differenziertes Krafttraining für die Unterarmmuskulatur betreiben. Wobei hier natürlich darauf zu achten ist, dass die Übungen qualitativ hochwertig ausgeführt werden und die Pausentage zwischen Krafttraining und Tennistraining einzuhalten, ansonsten wird erst recht wieder eine Überlastung provoziert! Zusätzlich sehr wichtig vor dem Beginn des Tennistrainings die entsprechenden Muskeln für zumindest 5-10min aufzuwärmen, speziell am Beginn der Saison. Beim Einschlagen sollte ebenfalls sehr locker und kontrolliert begonnen werden, da der "Sweet-Spot" noch nicht so gut "getroffen" wird, das heißt der Ball nicht zentral mit dem Schläger getroffen wird und so enorme Rotationskräfte im Handgelenk auftreten und dies sich dann noch eben fortsetzt zu den Sehnenansätzen an der Außenseite des Ellenbogens! MATERIALCHECK vor dem Beginn der Saison! Das heißt neue Bälle, neue Saite und ein intakter Schlägerrahmen der für Ihr individuelles Spielniveau passt. FAZIT: Erkennen Sie die individuellen Ursachen des "Tennisarms" und beachten Sie diese bestmöglich zu vermeiden. Betreiben Sie ein intensives und differenziertes Krafttraining. Zusätzlich für Tennisspieler gilt, gut aufwärmen und lockeres Einschlagen.


Hinweis:

Alle meine Empfehlungen bzw. Bloginhalte sind sorgfältig erwogen und geprüft und für gesunde Erwachsene gedacht, die älter sind als 18 Jahre. Keiner meiner Artikel kann einen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat bieten. Bitte konsultiere einen Arzt, bevor du mit einem Trainings-, Ernährungs- oder Nahrungsergänzungsprogramm anfängst. Besonders dann, wenn du in der Vergangenheit bereits Beschwerden gehabt haben solltest.

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