• Herbert Schmidt

CARDIO - PROBLEMATISCH !

Aktualisiert: Apr 13


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Warum sollte CARDIO problematisch sein, wirst du dich jetzt sicher fragen? Cardio soll doch so gesund sein und noch dazu super für die Figur sein, kann man doch überall lesen!

Um die Frage gleich vorweg etwas polemisch zu beantworten, JA, Cardio ist problematisch und man muss sich die Sache im Detail anschauen. Was meine ich überhaupt mit CARDIO, damit meine speziell die "Klassiker" d.h. niedrig-intensive lange Ausdauereinheiten wie Joggen, "Cross-Walker", "Laufband-Laufen".

WARUM ist es also problematisch?

1.

Falsches "Instrument" zur Erreichung der vorrangigen Zielstellung der "Figurverbesserung"

Ich behaupte mal 95% der "Jogger", "Nordic-Walker", "Ergobikern" usw. wollen nachhaltig ihre Figur verbessern, egal ob weiblich oder männlich! Ich schreibe bewußt Figur verbessern und nicht Abnehmen! Kleiner aber feiner Unterschied. Abnehmen ist das leichteste der Welt, ich nehme weniger Kalorien zu mir wie ich verbrenne, dann nehme ich ab.

Das Problem dabei ist jetzt die Nachhaltigkeit, d.h. kann ich auf Jahre hin meine Figur halten und und gesund bleiben und wenn ja, wie? Nehme ich an Muskelmasse ab (was sehr schlecht ist) was zwangsläufig passiert wenn ich nur niedrig-intensiven Ausdauersport betreibe oder nehme ich ab in dem ich Fettmasse verlier, Muskelmasse zunehme, so meine Figur verbessere und dabei noch gesund bleibe!?

Ihnen ist sicher schon des öfteren aufgefallen bei Volksläufen oder Triathlonveranstaltungen usw., dass sehr viele Teilnehmer. obwohl sie "fit" sind von der Figur eher so aussehen wie man es nicht erwarten würde. Bei den Männern häufig sehr dünne Beine und ein leichtes "Wamperl" und bei den Frauen relativ zarte Oberkörper, aber einen dicken Hintern und eher dicke Beine. Wie ist das möglich??? Die machen doch so viel Ausdauer da verliert man doch Gewicht! Ja, man verliert Gewicht, aber leider sehr viel davon ist Muskelmasse und weniger die Fettpölster.

Wenn ich meine Figur verbessern will und nicht "NUR" abnehmen, dann ist wenig intensiver langer Ausdauersport, die denkbar schlechteste Wahl. Was zusätzlich noch hinzukommt ist, dass durch das Joggen die Gefahr einer Überlastung bzw. Verletzung enorm steigt und vom Aspekt der Gesundheit her, nicht zu empfehlen ist, siehe dazu folgenden Absatz.

Um sich bestmöglich, effektiv uns sicher an seinen gesunden "Traumkörper" ranzuarbeiten geht das am besten mit einem intensiven Krafttraining und kurzem intensivem Intervalltraining.

2.

CARDIO-Varianten wie Joggen oder auch Laufen am Laufband sind in sehr vielen Fällen zusätzlich auch noch der Grund für Überlastungsschäden!

(Die Sportart mit den meisten Verletzungen pro Trainingsstunde ist Joggen, wußten sie das?! Die mit der geringsten Verletzungshäufigkeit übrigens Gewichtheben!)

Gängige Volksmeinung ist ja, ich gehe Joggen um meine Gesundheit zu erhalten bzw. diese zu fördern. Ich verbessere damit meine "Grundlagenausdauer" und profitiere, egal ob Hobbysportler oder Profisportler, von dieser gesteigerten "Grundlagenausdauer".

Schaut man sich dazu die Fakten aus der Fachliteratur an, dann wird darin eindeutig darauf hingewiesen, dass Langstreckenläufer im Gegensatz zu ihren weniger aktiven Zeitgenossen viel wahrscheinlicher Herzerkrankungen erleiden (1), ebenso steigt die Gefahr von Vorhofflimmern (2), Krebs (3), Erkrankungen der Leber und Galle (4), Muskelschäden (5), Nierenfehlfunktionen (6), akuten Mikrothrombosen (7), Hirnschäden (8) und Wirbelsäulendegenartionen (9).

Also wie man unschwer an diesen Fakten erkennen kann ist langes niedrig-intensives Joggen sicher nicht förderlich für die Gesundheit!

Was man zusätzlich noch bedenken sollte ist der relativ große Zeitaufwand, welcher in keiner Relation zum Nutzen steht, aber dazu später noch mehr!

Sehr häufig davon betroffen sind die "Jogging-Einsteiger", also diejenigen, die vorher noch wenig bis keinen Sport betrieben haben, jetzt durch ihren Lebenswandel, ihre Ess- und Lebensgewohnheiten etwas an Gewicht zugelegt haben und beschlossen haben ab sofort etwas dagegen zu tun! Diese Einsteiger haben zusätzlich ein erhöhtes Risiko einen Überlastungsschaden des passiven Bewegungsapparates davonzutragen, da ihr Muskelkorsett, aber auch die passiven Strukturen wie Bänder, Sehnen und Gelenke weniger stark ausgeprägt sind und daher die wiederkehrenden Stoßbelastungen beim Joggen auf Dauer nicht tolerieren können. Dies kann mit unter lange "gut gehen", aber spätestens nach einigen Jahren beginnen die ersten Probleme zu kommen, wie z.B.: Rückenschmerzen, Hüftschmerzen, Knieschmerzen, Achillessehnenreizung usw. aus den verschiedensten Ursachen, abgeschwächte Muskulatur, dadurch bedingte Fehlstellungen, verkürzte Muskeln, dadurch bedingte Fehlstellungen usw.

Daher kann ich nur jedem empfehlen wenn es um eine Figurverbesserung und mehr Gesundheit geht, den Gedanken vom Ausdauersport aus dem Kopf zu verbannen und umzustellen hin zu mehr Krafttraining und wenn Ausdauer, dann kurze und intensive Intervalleinheiten!

Weil ich früher oft selber sehr viel und gerne auf dem Laufband gelaufen bin, möchte ich zu diesem populären Trainingsmittel auch noch kurz ein paar Worte verlieren. Auf dem Laufband zu laufen ist natürlich an sehr kalten Wintertagen oder seeehr heißen Sommertagen sehr verlockend um seine Ausdauereinheit runterzuspulen, klar, aber was man bedenken sollte ist folgender Fakt:

Laufen auf dem Laufband welches "angetrieben" wird und zwar nicht von einem selbst, sondern von der Maschine, ist unnatürlich, da es die gesamte "hintere Kette" unseres Muskeltrakts nicht verwendet. Beim "normalen" Laufen im Wald muss der Vortrieb durch uns selbst erfolgen und dieser Vortrieb wird durch das Zusammenspiel der gesamten "hinteren Kette" erzeugt. Wenn aber diese "Zugphase" beim Laufen durch die Maschine übernommen wird, ist es nicht nur unnatürlich und es leidet unser Laufstil, Laufökonomie usw. sondern es werden auch Dysbalancen forciert, die ja ohnehin sehr oft gegeben sind in der heutigen Zeit. Das heißt die vordere Oberschenkelmuskulatur wird dadurch im Verhältnis zur hinteren Oberschenkelmuskulatur zu stark und in Folge dessen, kommt es früher oder später zu Überlastungsschäden oder zu akuten Verletzungen.

3.

Seit wann gibt es Joggen im heutigen Sinne und wer war der "Erfinder"?

Das "Joggen" in der Form wie wir es heute kennen, gibt es erst seit den 70-igern, wo Jim Fixx als "Lauf-Guru" mit seinen Büchern diesen Boom anfeuerte, viele weitere folgten. Jim Fixx starb im alter von 52 Jahren während dem Laufen an einem Herzinfarkt.

Sicher, jetzt kann man sagen, dass ist eben Pech und eine Ausnahme und Ausnahmen bestätigen die Regel, aber wie oben die Fachliteratur schon aufgezeigt hat, ist es eben nicht die Ausnahme.

Ich will damit nicht sagen dass "Joggen" grundsätzlich schlecht ist, aber man sollte die Umfänge und Häufigkeit der heutigen Empfehlungen entsprechend kritisch hinterfragen.

Siehe auch die Entwicklung, hin zu immer längeren Distanzen und verrückteren Bewerben, siehe Ironman, Ultra-Trail, uvm.

Quellennachweis:

(1) G.White, "Is Exercise-Induced Myocardial Injury Self-Abating?", Medicine and Science in Sports and Exercise 33, Nr. 5 (Mai 2001)

(2) D.R. Swanson, "Atrial Fibrillation in Athletes: Implicit Literature-Based Connection Suggests That Overtraining and Subsequent Inflammation May Be a Contributing Mechanism", Medical Hypotheses 66, Nr.6 (2006)

(3) M.Deichmannet, A. Brenner, N. Kuner, J.Wacker, V. Waldmann und H. Naher, "Are Responses to Therapy of Metastasized Malignant Melanoma Reflected by Decreasing Serum Values of S100ß or Melanoma Inhibitory Activity (MIA)?", Melanoma Research 11, Nr.3 (Juni 2001)

(4) H.J. Wu, K. T. Chen, B. W. Shee, H. C. Chang, Y.J. Huang und R.S. Yang, "Effects of 24 H Ultra-Marathon on Biochemical and Hematological Parameters", World Journal of Gastroenterology 10, Nr.18 (September 2004)

(5) M.J. Warhol, A.J. Siegel, W.J. Evans und L.M. Silverman, "Skeletal Muscle Injury and Repair in Marathon Runners After Competition", American Journal of Pathology 118, Nr.2 (Februar 1985)

(6) J.A. Neviackas und J.H. Bauer, "Renal Function Abnormalities Induced by Marathon Runnung", Southern Medical Journal 74, Nr.12 (Dezember 1981)

(7) M.K, Fagerhol, H.G. Neilsen, A. Vetlesen, K. Sandvik und T. Lybert, "Increase in Plasma CalProtection During Long-Distance Running", Scandinavian Journal of Clinical and Laboratory Investigation 65, Nr. 3 (2005)

(8) D. Janigro, "Peripheral Markers of Brain Damage and Blood-Brain Barrier Dysfunction", Restorative Neurology and Neuroscience 21, Nr. 3-4 (2003)

(9) H.Schmitt, C. Friebe, S. Schneider und D. Sabo, "Bone Mineral Density and Degenerative Changes of the Lumbar Spine in Former Elite Athletes", International Journal of Sports Medicine 26, Nr.6 (Juli 2005)


Hinweis:

Alle meine Empfehlungen bzw. Bloginhalte sind sorgfältig erwogen und geprüft und für gesunde Erwachsene gedacht, die älter sind als 18 Jahre. Keiner meiner Artikel kann einen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat bieten. Bitte konsultiere einen Arzt, bevor du mit einem Trainings-, Ernährungs- oder Nahrungsergänzungsprogramm anfängst. Besonders dann, wenn du in der Vergangenheit bereits Beschwerden gehabt haben solltest.

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